Erneuerbare Energien können einen enormen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energiesektors leisten. Neben der Verbesserung der Energiebereitstellung aus Brennstoffen wie Biomasse oder Reststoffen liegt ein weiterer Fokus auf der Integration erneuerbarer Energien in das bestehende Energiesystem. Durch innovative Ansätze und Ideen gestalten die beteiligten Forschungsgruppen aktiv den Umbau des Energiesystems mit.

Forschungsgruppen

Jakob Burger
Professur Chemische und Thermische Verfahrenstechnik
Matthias Gaderer
Professur Regenerative Energiesysteme
Josef Kainz
Professur Energietechnik
Marc Ledendecker
Professur Nachhaltige Energiewerkstoffe
Thomas Vienken
Professur Geothermie
Michael Zavrel
Professur Bioverfahrenstechnik

Projekthighlights

Im Rahmen des Projektes „BioCore“ von der Professur Regenerative Energiesysteme (Prof. Gaderer) und dem Lehrstuhl Energiesysteme (TUM Garching) wird eine neue Technologie zur Biogasnutzung entwickelt. Biogas stellt eine von der Witterung unabhängige erneuerbare Energiequelle dar. Mit dieser Technologie – basierend auf einer Kombination aus Hochtemperaturbrennstoffzelle und Elektrolyse – zur Bereitstellung von elektrischem Strom und Methangas wird eine deutlich effizientere und ökonomischere Ausnutzung des Biogases erreicht.

Weitere Forschungsfelder sind etwa die Effizienzsteigerung von biobasierten Energiesystemen durch eine verbesserte Nutzung von Wärme auf niedrigem Temperaturniveau und die Bewertung von Kraftstoffen, die durch Synthesen von Wasserstoff und CO₂ mit regenerativem Strom hergestellt werden (E-Fuels).

Synthetische Kraftstoffe wie Oxymethylenether (OME) können CO₂-Emissionen senken und die Verbrennung sauberer machen. Um Komponenten für OME als Dieselkraftstoff-Alternative zu produzieren, hat Prof. Burger, Leiter der Professur für Chemische und Thermische Verfahrenstechnik, eine Demonstrationsanlage am TUM Campus Straubing errichtet. 

Bei OME – das aufgrund des integrierten Sauerstoffs praktisch rußfrei verbrennt – handelt es sich um eine Gruppe von Stoffen, von denen nur ein bestimmter Teil für die Kraftstoffanwendung geeignet ist. Die Demonstrationsanlage produziert genau diese Komponente und realisiert den „OME Technologies Prozess“ im Technikumsmaßstab.

Ziel des Projektes ist es mit Hilfe einer dynamischen Simulation die Wirtschaftlichkeit von Biomasseheizkraftwerken durch einen flexiblen Betrieb zu verbessern. Neben einem Wärmespeicher wird Power-to-heat als Anlagenkomponente untersucht.

Aktuelle Forschungsprojekte

BVT

StarchSub zielt darauf ab, einen ressourceneffizienten Bioprozess zur direkten enzymatischen Herstellung von Wellpappenleim aus unterschiedlichen Mehlsorten zu entwickeln. Der Ansatz ersetzt das konventionelle Stein‑Hall‑Verfahren, das auf der energie- und wasserintensiven Isolierung und Modifizierung von Stärke vor der Leimherstellung beruht.

Durch den Wegfall der Stärkeisolierung und die Ermöglichung einer direkten Mehlumwandlung besitzt StarchSub das Potenzial, den ökologischen Fußabdruck der Wellpappenherstellung deutlich zu reduzieren, indem der Energieverbrauch und der Wasserbedarf der Stärkeproduktion eliminiert werden.

Der StarchSub‑Prozess ist so konzipiert, dass er in bestehende industrielle Wellpappenanlagen nachgerüstet werden kann, die derzeit mit Stein‑Hall‑Prozesstechnologie ausgestattet sind. Dadurch werden Investitionskosten minimiert und eine schnelle industrielle Implementierung erleichtert.

StarchSub ist ein ZIM‑gefördertes Verbundprojekt zwischen der Professur für Bioverfahrenstechnik am TUM Campus Straubing (TUMCS BVT) und der Bauer‑Verfahrenstechnik GmbH (BVG). TUMCS BVT ist verantwortlich für die Entwicklung maßgeschneiderter Enzymmischungen für die mehlbasierte Leimherstellung sowie für die Etablierung eines prädiktiven Modells zur Bestimmung der optimalen Enzymformulierung in Abhängigkeit von Mehltyp und ‑zusammensetzung. BVG wird die gesamte Prozessarchitektur entwerfen und eine Pilotanlage errichten, um die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Verfahrens unter industrienahen Bedingungen nachzuweisen.


Projektdauer

2026-05-01 – 2029-02-28

BVT

Verschiedene Industriezweige, wie etwa die Körperpflege- und Reinigungsmittelindustrie, sind auf sogenannte rheologische Modifizierer, wie z.B. Polyacrylate, angewiesen, um Fließeigenschaften von Produkten zu regulieren. 

Das übergeordnete Ziel dieses Forschungsprojektes ist, diese Polyacrylate, die bislang noch aus Mineralöl gewonnen und daher nur schwer biologisch abbaubar sind, durch natürliche Biopolymere, wie Polysaccharide, zu ersetzen. 

Daher befasst sich dieses Forschungsprojekt mit der fermentativen Herstellung dieser Exopolysaccharide mit Hilfe eines bakteriellen Mikroorganismus. Im Weiteren soll dieses Verfahren in größere Maßstäbe hochskaliert und ein Verfahren zur Produktaufreinigung entwickelt werden, dass das bisherige kosten- und energieintensive Verfahren ersetzen soll.

Kontakt: Melissa Grundwürmer M. Sc.


Projektdauer

2026-01-01 – 2028-12-31

BVT

MEC-2G BIO ist ein Forschungsprojekt, das sich auf die Entwicklung skalierbarer Multi-Enzym-Cocktails für die effiziente Herstellung biobasierter Produkte konzentriert. Das Projekt verbindet statistische Prozessoptimierung mit industrieller Biotechnologie, um die Enzymleistung, -stabilität und Produktionseffizienz zu verbessern. Im Rahmen des Projekts ist das TUM BVT für die Entwicklung, Skalierung und Optimierung von Fermentations- und nachgelagerten Verarbeitungstechnologien vom Labor- bis zum Pilotmaßstab verantwortlich, einschließlich der Produktion im Pilotmaßstab im TUM Bio Scale-Up Center.


Projektdauer

2026-04-01 – 2028-05-31

BVT

Wegweisende Lösungen für eine effizientere Abwasserreinigung

Das Projekt NEON ist eine vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderte Forschungsinitiative, die sich auf die weitere Steigerung der Effizienz in der Abwasserreinigung konzentriert. Am TUM Campus Straubing untersuchen wir in Partnerschaft mit der Straubinger Entwässerung und Reinigung (SER) innovative Methoden, um bestehende städtische Wasserwirtschaftsanlagen in nachhaltigere und kosteneffizientere Systeme umzuwandeln.

Durch den Einsatz unserer Expertise in der Verfahrenstechnik streben wir an, den Stickstoffgehalt im Wasser weiter zu senken, um negative Umweltauswirkungen zu minimieren. Hierzu erforschen wir innovative physikalische und elektrochemische Verfahren, um unerwünschten Sauerstoffeintrag während des Denitrifikationsprozesses zu eliminieren. Letztlich wird das Projekt NEON die Grundlage für neue Ansätze schaffen, um die technische Herausforderung zu bewältigen, bestehende Anlagen an ehrgeizigere Umweltstandards anzupassen und gleichzeitig Kosten sowie den Energieverbrauch zu senken.

Kontakt: Hernan Alejandro Rosero Vega M. Sc. 


Projektdauer

2026-03-01 – 2028-02-29

BVT

Synergien durch Integration von Biomassenutzung und Power-to-x in der Produktion erneuerbarer Kraftstoffe

Die Entwicklung von neuen Prozesswegen zur Herstellung von Isobutanol aus industriellen Abfallströmen, insbesondere unter Verwendung von Weizenstrohhydrolysat, ist einer der Aspekte des Projekts. Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines nachhaltigeren Weges zur Isobutanolproduktion unter Verwendung verschiedener Stämme von Corynebacterium glutamicum. Darüber hinaus ist das Testen, Entwickeln und Etablieren von Methoden zur in-situ-Produktabtrennung ein weiterer Aspekt des Projekts. 

Kontakt: Jennifer Borger M. Sc.


Funding

German Federal Ministry for Digital Affairs and Transport

BVT

Die Forschung konzentriert sich auf die optimale Regelung industrieller Fermentationsprozesse, die bei der Verwendung von Hydrolysaten aus landwirtschaftlichen Reststoffen von Chargenschwankungen betroffen sind. Das Hauptziel besteht darin, das volle Potenzial von Bioprozessdaten auszuschöpfen, eine schnellere Fehlerbehebung zu ermöglichen, die Prozessautomatisierung zu verbessern und den Bedarf an zeitaufwändigen und kostspieligen Offline-Messungen durch die Entwicklung kontinuierlich trainierter, validierter und verbesserter, auf Hybridmodellen basierender Softsensoren zu reduzieren. Die Prozesssteuerung umfasst die Kombination von Echtzeitdaten von Hardwaresensoren mit speziell entwickelten Modellen, um nicht messbare Parameter online vorherzusagen.

Kontakt: Nico Geisler M. Sc.

BVT

Dieses Forschungsprojekt befasst sich mit der Produktion, dem Scale-up und der Weiterverarbeitung von Exopolysacchariden mit verschiedenen Mikroorganismen für unterschiedliche Anwendungen. Die Entwicklung solcher Produkte birgt bestimmte Herausforderungen wie die oftmals hohe Viskosität, die Empfindlichkeit der Produkte gegenüber Wasser- und Umweltbedingungen und die Maßstabsvergrößerung. Die Überwindung solcher Hürden und die Entwicklung nachhaltiger, biologisch abbaubarer Materialien ist das Hauptziel der Forschung.

Kontakt: Venessa Dsouza M. Sc.

BVT

Neue Verfahren zur Biopolymerproduktion

Bei bestimmten biotechnologischen Produktionsverfahren nimmt die Viskosität des Reaktionsmediums mit steigender Produktkonzentration zu. Dies ist besonders wichtig für die mikrobielle Biopolymerproduktion, bei der der Sauerstofftransfer mit fortschreitender Fermentationsreaktion limitiert wird. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, konventionelle Reaktorsysteme für solche Anwendungen zu verbessern und zu erneuern, indem additive manufacturing (AM) und computational fluid dynamics (CFD) als Testplattformen eingesetzt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Optimierung spezifischer Phasen, einschließlich der Rückgewinnung des Endprodukts, wobei die wirtschaftliche Tragfähigkeit des gesamten Herstellungsprozesses im Vordergrund steht.

Konakt: Juan Mariño Jara M. Sc.

BVT

Biotechnologische Umwandlung von Methanol (C1) zu Tocochromanolen

Das Ziel dieses Projekts ist Methanol, das aus CO2 hergestellt werden kann, in Form eines fermentativen Prozesses in antioxidativ-wirkende Stoffe umzusetzen. Diese sind von besonderer Bedeutung für die Futtermittelindustrie, um Futtermittel mit erhöhtem Fettgehalt zu stabilisieren. Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist es ein methanol-basiertes Produktionsverfahren zu entwickeln und zu optimieren, welches aus der Fermentation mit dem Mikroorganismus Yarrowia lipolytica und der nachfolgenden Aufarbeitung der Zielsubstanzen besteht. Dabei beinhaltet das Projekt von Beginn an ökonomische Machbarkeitsstudien, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Kontakt: Ulf Stegemeyer M. Sc. 

BVT

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderte Transfernetzwerk zur Beschleunigung der Industriellen Bioökonomie (TransBIB) hat zum Ziel, die Abhängigkeit Deutschlands von nicht erneuerbaren Ressourcen zu verringern, indem es eine schnellere Überführung biotechnologischer Produktionsprozesse aus dem Labor in den industriellen Maßstab ermöglicht. BVT unterstützt TransBIB durch die Erstellung von Prozesssimulationen für das Up-Scaling biotechnologischer Produktionsverfahren. Darüber hinaus wird eine Datenbank über die Kapital- und Betriebskosten von Anlagen im industriellen Maßstab erstellt. Schließlich zielt das Projekt darauf ab, Start-ups, sowie kleine und mittlere Unternehmen bei der Skalierung zu unterstützen, indem Informationen über die erforderlichen Genehmigungen, Verfahren und Fristen weitergegeben werden, die bei der Planung und dem Bau solcher Anlagen zu berücksichtigen sind.

Kontakt: Estelle van der Walt M. Sc.

BVT

Das von der Europäischen Exekutivagentur für Forschung (REA) geförderte Projekt CirculH2 zielt darauf ab, die erfolgreiche Entwicklung einer oder mehrerer äußerst robuster und skalierbarer Hydrogenasen für die Verwendung von H2 zu demonstrieren, die die Biotransformation biobasierter Materialien in Spezial- und Grundchemikalien in einem industriellen Umfeld selektiv vorantreiben. Die Technologie zielt darauf ab, die stark genutzten konventionellen chemischen Produktionsmethoden zu ersetzen und die Dekarbonisierung der industriellen Biotechnologie zu ermöglichen. Die Professur für Bioverfahrenstechnik entwickelt die Produktion von FeFe-Hydrogenase im industriellen Maßstab innerhalb des CirculH2-Projekts. Dazu wird die Fermentation von E. coli, das als Quelle für unser widerstandsfähiges Hydrogenase-Enzym dient, hochskaliert.

Kontakt: Gelda Bogran M. Sc.


Funding

Europäischen Exekutivagentur für Forschung (REA)