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Prof. Dr. Cordt Zollfrank ist Studiendekan und Lehrstuhlinhaber für Biogene Polymere am TUM Campus Straubing. (Bild: SRT)

Im Gespräch mit Prof. Dr. Cordt Zollfrank vom TUM-Campus über Nachhaltigkeit

 

Straubinger Tagblatt | 21.09.2019 | Ulli Scharrer

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Rohstoffwandel – das alles, und noch viel mehr behandeln Prof. Dr. Cordt Zollfrank und seine Kollegen bei Ausbildung und Lehre am TUM-Campus Straubing. Dort ist er Studiendekan und Lehrstuhlinhaber für Biogene Polymere. Er betont: Erdöl ist endlich, die Nutzung und Erzeugung nachhaltiger Rohstoffe macht natürlich auch nur Sinn, wenn dies nachhaltig geschieht. Darauf lege man am ganzen Campus viel wert und da steckt der Klimaschutz ja automatisch schon mit drin. „Wir bilden junge Leute daraufhin aus und die tragen das später in ihre Berufen mit hinaus, dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter gekommen!“

Im vergangenen Semester wurden zum Beispiel bei der Vorlesung „nachhaltige Chemie“ die zwölf Prinzipien der Chemie durchleuchtet und gezeigt was nachhaltige Chemie oder grüne Chemie bedeutet. In diesem Seminar wurde das Gelernte dann auch bei der Gründung des United System Applied Council genützt. Jedem Studierenden wurde ein Land zugeordnet, das er in der Runde „nachhaltig“ vertrat, ähnlich wie bei einer UN-Versammlung. Diese 15 simulierten Länder verabschiedeten am Ende eine gemeinsame Resolution, dass Klimaschutz an erster Stelle stehen muss. Dieses United System Applied Council will der Professor weiterführen – im größeren Kreis interdisziplinär übergreifend am TUM-Campus Straubing, „aber auch gerne darüber hinaus“, mit anderen Hochschulen in Bayern.

„Jeder kann mitmachen, jeder muss mitmachen“

Bei so viel Engagement ist es klar, dass auch seit Jahren im Alltag Umweltschutz integriert ist, und zwar mit Überzeugung. Gerade hat seine Familie sich ein Lastenfahrrad gekauft. Und damit bei Einkaufsfahrten seit November mehr als 6000 Auto-Kilometer eingespart. Die Sprösslinge kann man damit auch zum Kindergarten fahren. In und um Straubing ist es nicht hügelig, da ist so ein Lastenfahrrad absolut sinnvoll, betont Prof. Zollfrank. Einkaufen wird verpackungsfrei gestaltet, Stoffnetze für Obst und Gemüse und ein bewusster Verzicht auf verpackte Waren, haben den Plastikmüll seiner Familie auf fast Null schrumpfen lassen. Duschgel oder Zahnpasta werden in Nachfüllpackungen gekauft, oder in Geschäften, die nachfüllen. „Jeder kann mitmachen, jeder muss mitmachen. Wir haben es in der Hand, als Verbraucher hat man den Markt in der Hand“, betont er. Und: „Selber kochen! Man ist, was man isst, und da kommt es darauf an, wieder viel daheim selber zu kochen.“ Biolebensmittel werden „noch vor regional“ gekauft, nicht nur weil „die besser schmecken und gesünder sind“, sondern auch deswegen „weil die ökologische Landwirtschaft dazu beiträgt, dass unsere Böden nachhaltig tragfähig bleiben.“

Preise für Umweltschäden muss man mit einrechnen

Da ist noch extrem viel Luft nach oben, da können noch viel mehr Menschen mitmachen. Das Argument, dass Biolebensmittel mehr kosten, lässt Prof. Zollfrank nicht gelten. Bei konventionell erzeugten Lebensmitteln seien die Preise für Umweltschäden gar nicht mit eingerechnet. Wer biologische Lebensmittel einkauft, müsse sich oft dafür rechtfertigen, das sei aber falsch: „Es müsste genau andersherum sein, die Leute, die uns und unsere Äcker tagtäglich vergiften und dafür sorgen, dass immer mehr gedüngt werden muss, da müsste viel mehr Rechtfertigungspotenzial herrschen.“ Textilien sind ihm auch wichtig, nachhaltig aus organischer Baumwolle müssen diese zum Beispiel sein.

Verzichten müsse man dabei eigentlich auf nichts, umweltbewusst nachhaltig leben, heiße auch gesund und zufrieden leben. Auf (Konsum)Sachen zu verzichten, kann da Luxus sein.

Info:

Buchtipp von Prof. Zollfrank: „Wir konsumieren uns zu Tode“ von Armin Reller und Heike Holdinghausen.