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Das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing mit dem TUM-Campus Straubing. Foto: ProLehre/TUM

Forschung und Beiträge zum Umweltschutz vom TUM-Campus Straubing

 

Weltweit streiken Kinder und Jugendliche seit Monaten unter dem Motto „Fridays for Future“ für Klimaschutz und eine Zukunft ohne Klimakrise. Dem schließen sich nicht nur viele Erwachsene, Verbände und Vereine an, sondern auch die Wissenschaft. Stellvertretend haben wir zwei Professoren vom TUM-Campus Straubing dazu befragt. Am Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München bündelt sich die Kompetenz im Bereich nachwachsender Rohstoffe.

Aufgrund des branchen- und disziplinübergreifenden Charakters des Themas arbeiten im TUM-Campus Straubing Vertreter der Natur-, Ingenieur-, Ökosystem- und Wirtschaftswissenschaften zusammen. Vom Molekül bis zur Vermarktung wird im TUM-Campus Straubing durch Grundlagenforschung in den verschiedenen Professuren versucht, Antworten für aktuelle Fragestellungen zu finden. Im Bildungsbereich wird die Ausbildung von Entscheidungsträgern für Forschung, Wirtschaft und Politik angestrebt, die über die notwendigen methodischen und fachspezifischen Kompetenzen für einen Übergang zur Nachhaltigkeit verfügen.

Nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Straubinger Tagblatt | 25.09.2019

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Rohstoffwandel – das alles und noch viel mehr behandeln Prof. Cordt Zollfrank und seine Kollegen bei Ausbildung und Lehre am TUM-Campus Straubing. Dort ist er Studiendekan und Lehrstuhlinhaber für Biogene Polymere. „Es geht beim Klimaschutz auch darum, Stoffkreisläufe zu schließen, also möglichst effizient mit Materialien umzugehen“, erklärt Prof. Magnus Fröhling die Aufgabe seines Lehrstuhls Circular Economy. Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft soll an der Schulgasse 22 im ehemaligen Kloster in vielen Forschungsgebieten erforscht und erklärbar gemacht werden, damit ganz praktisch Rohstoffverschwendung eingedämmt oder ganz gestoppt werden kann.

Zollfrank betont: Erdöl ist endlich, die Nutzung und Erzeugung nachhaltiger Rohstoffe macht natürlich auch nur Sinn, wenn dies nachhaltig geschieht. Darauf lege man am ganzen Campus viel Wert und da steckt der Klimaschutz ja automatisch schon mit drin. „Wir bilden junge Leute daraufhin aus und die tragen das später in ihren Berufen mit hinaus, dann sind wir schon ein ganzes Stück weitergekommen!“

Im vergangenen Semester wurden zum Beispiel bei der Vorlesung „Nachhaltige Chemie“ die zwölf Prinzipien der Chemie durchleuchtet und gezeigt, was nachhaltige Chemie oder grüne Chemie bedeutet. In diesem Seminar wurde das Gelernte dann auch bei der Gründung des „United System Applied Council“ genützt. Jedem Studierenden wurde ein Land zugeordnet, das er in der Runde „nachhaltig“ vertrat, ähnlich wie bei einer UN-Versammlung. Diese 15 simulierten Länder verabschiedeten am Ende eine gemeinsame Resolution, dass Klimaschutz an erster Stelle stehen muss. Dies „United System Applied Council“ will der Professor weiterführen – im größeren Kreis interdisziplinär übergreifend am TUM-Campus Straubing, „aber auch gerne darüber hinaus“, mit anderen Hochschulen in Bayern.

Weit über die eigene Hochschule hinaus geht auch das Forschungsgebiet Circular Economy seines Kollegen Fröhling. Rohstoffverschwendung einzudämmen, bedeute zuerst einmal zu überlegen, „brauchen wir das überhaupt“ oder kann man das, was man benötigt, etwas reduzieren und dann gibt es noch den Punkt, „was man länger nutzen kann“, erklärt der junge Professor. Und am Schluss steht bei der Circular Economy am TUM-Campus Straubing: Wer kann das noch nutzen, wenn wir diese Produkte oder Stoffe nicht mehr benötigen?

Rohstoffe möglichst wenig, dafür lange nutzen

Kurz gesagt, es geht in seinem Forschungsgebiet darum, (nachhaltige) Rohstoffe möglichst wenig, dafür lange zu nutzen, auch gern mit einer Zweitverwertung nach dem ersten Lebenszyklus. Das alles hat dann natürlich Auswirkungen auf den Klimaschutz, weil man weniger Güter benötigt. Vorlesungen dazu hält Fröhling in verschiedenen Studiengängen am TUM-Campus und fragt dabei auch: Wo kommen Emissionen her? Und wie ist die wirtschaftliche Seite beschaffen? Wie viel Einsparungen erkaufe ich mir mit erhöhten Kosten? Und natürlich: Wo könnten Probleme auftreten?

Leseempfehlungen

Prof. Fröhling hat ein paar Leseempfehlungen, zum einen die Homepage www.cec.cs.tum.de. Und privat rät er zu: Scientists4Future unter anderem mit einer vollständigen Liste der Erstunterzeichner und Informationen, um Klimaskeptikern zu begegnen: www.scientists4future.org. Sowie zwei Buchtipps: „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ von David Nelles und Christian Serrer, Verlag KlimaWandel von 2018 und „Wir sind das Klima!“ von Jonathan Safran Foer, Kiepenheuer & Witsch von 2019. Buchtipp von Prof. Zollfrank: „Wir konsumieren uns zu Tode“ von Armin Reller und Heike Holdinghausen.