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Eine Gruppe von elf Studenten des Wissenschaftszentrums hat sich zu diesem Wintersemester für ein besonderes Fächermodul entschieden. Es nennt sich „Gestaltung und Design mit Nachwachsenden Rohstoffen“. Dabei ist vor allem Kreativität gefragt. Dozent Max Messemer möchte die Studenten gezielt weg von der gewohnten Vorlesungsatmosphäre bringen.

Eine Gruppe von elf Studenten des Wissenschaftszentrums hat sich zu diesem Wintersemester für ein besonderes Fächermodul entschieden. Es nennt sich „Gestaltung und Design mit Nachwachsenden Rohstoffen“. Dabei ist vor allem Kreativität gefragt. Dozent Max Messemer möchte die Studenten gezielt weg von der gewohnten Vorlesungsatmosphäre bringen.

Studenten erkunden die Eckpfeiler einer zukunftsweisenden Wertschöpfungskette

Von Alexander Bierl

In den vergangenen Wochen beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit der Wahrnehmung und Ausgestaltung von Räumen und der Wirkung von Licht und Schatten. Im Vordergrund standen dabei die eigenen Ideen der Studenten, welche Max Messemer mit Rat unterstützte, ohne aber selbst an deren Plänen zu schrauben. Das Vorhaben hinter der Sache ist, das Foyer im frisch
renovierten Klostergebäude mit Leben zu füllen, indem die Studenten den Raum nach ihren Vorstellungen gestalten. Dieses Foyer wird künftig den Zugang zu den neu geschaffenen Vorlesungsräumen bilden. Im Projekt unternahmen die Studenten eine Exkursion durch die Stadt. Es galt dabei, den Kreis der Nachwachsenden Rohstoffe in der Region zu schließen. Das Wissenschaftszentrum, das TFZ und CARMEN in der Schulgasse bilden schließlich nur einen der Pfeiler. Um sich ein besseres Bild von der Gesamtsituation der Region der Nachwachsenden Rohstoffe zu verschaffen, vereinbarte Messemer mit den Verantwortlichen zweier weiterer Teilnehmer in der Region eine Vorstellung ihres Arbeitsfeldes für die Studenten.

Zuerst fuhr die Studentengruppe nach Straubing-Sand. Dort begrüßte sie Stefan Niedermeier, Leiter des Gründerzentrums der Hafen Straubing-Sand GmbH. Er präsentierte die einzelnen Aktivitäten auf dem Hafengelände. Danach führte er die Studenten ins Nebengebäude, den BioCubator, das fast vollständig aus Nachwachsenden Rohstoffen besteht. Vom Balkon des BioCubators hatten die Studenten einen guten Rundumblick über die Hafenanlage.

Im Anschluss besichtigten die Studenten das Hafen-Gelände aus der Nähe. Sie sahen einen Kran, der Waren vom gesamten Gelände aus auf die Schiffe heben konnte. Im Umkreis haben sich bereits zahlreiche Unternehmen angesiedelt, sodass der Schwenkbereich des Krans für weiter hinten angesiedelte Gebäude gar nicht mehr ausreichte. Dafür mussten extra Förderbänder bereitgestellt werden. Während das Gründerzentrum für die Infrastruktur am Hafen zuständig ist, übernimmt die BayWa die Logistik. So können hier am Hafen alle Transporte über Wasser, Schiene und Straße zusammenlaufen. Niedermeier betonte die Bedeutung der Binnenschifffahrt für Straubing, welche das umweltfreundlichste aller Transportsysteme darstelle.

Nach der Besichtigung des Hafens fuhr die Studentengruppe weiter zum Klärwerk. Dort begrüßte sie Hans Buchmeier, der Abteilungsleiter des Entwässerungsbetriebs, mit einem Kurzfilm zur Stadtentwässerung. Bereits aus dem Film erfuhren die Studenten, dass man Produkte wie Sand, Fette und Schlamm durch die Reinigung des Wassers gewinnen und weiter verwenden kann. Beispielsweise würden Düngerstoffe gefördert, die an die Landwirte der Gegend weiterverkauft werden können.

Dann besichtigte die Gruppe das Gelände. Für die Studenten war wichtig, dass das Klärwerk neben der Wasseraufbereitung zu einem sehr großen Anteil an nachhaltiger Energieerzeugung beteiligt ist. So liefert der Faulturm des Klärwerks allein schon ein Drittel der Energie, die für die Abwasserreinigung gebraucht wird. Buchmeier erklärte, dass maßgeblich auch die aktive Nutzung der entstehenden Abwärme relevant sei, die man früher einfach verloren gehen ließ.
Außerdem werden täglich große Mengen an Cosubstrat von überall aus der Gegend mit Lastwagen an- geliefert, was direkt im Klärwerk weitere Verwendung findet. Der aus der Klärung des Abwassers gefilterte Schlamm wird in speziellen An- lagen getrocknet und der Wasseranteil entfernt. So entstehen aus dem Schlamm geruchsneutrale Pellets mit einem Heizwert, der dem von Braunkohle entspricht. Außerdem wird im Klärwerk Phosphor aus der anfallenden Asche gewonnen. Das Verfahren der Aufbereitung schont zwar die Umwelt, war aber bisher noch etwa zwei- bis dreimal so teuer, als reines Phosphor einzukaufen.

(erschienen im Straubinger Tagblatt am 24. Januar 2015, Seite 35)

WZ-Straubing | 24.01.2015