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Professor Cordt Zollfrank erklärte, wie Plastik entsteht, dass es zu viel davon gibt und wie man es am besten meidet. (Bild: Scharrer / SRT)

Das diesjährige Campus-Fest bringt eine Neuerung und einen Satz, der Hoffnung macht

 

Straubinger Tagblatt | 25.07.2019 | Autor: Engel, Foto: Scharrer

Wetter prima, Reden kurz, Musik gut, das Essen auch: Das jährliche Campus-Fest auf dem TUM-Campus war einmal mehr ein angenehmer Sommerabend, auch wenn die Zahl der Studenten noch überschaubar war. Dafür waren einige Nachbarn des Campus gekommen, wie Straubings vielleicht bekanntester Stadtführer Herbert Willinger. Denn auch die Nachbarschaft und eigentlich ganz Straubing sind zu diesem Fest eingeladen. Wer am Dienstagabend da war, konnte eine ganz neue Form der Fest-Unterhaltung erleben: einen Science Slam.

Ein Science Slam ist ein Wissenschaftswettstreit. Forscher stellen ihr Gebiet in kurzen Vorträgen vor, das Publikum bewertet Verständlichkeit, Inhalt und Unterhaltungswert. Am Dienstagabend war erst Cordt Zollfrank, Professor für biogene Polymere, am Start, und danach Jakob Burger, Professor für Chemische und Thermische Verfahrenstechnik. Zollfrank erklärte, wie Plastik entsteht, dass es zu viel davon gibt und wie man es am besten meidet. Burger dagegen erklärte, dass Wissenschaft manchmal sehr seltsames Wissen schafft.

Da gibt es zum Beispiel dieses Experiment: Ist Teer fest oder flüssig? Um das herauszufinden, haben sie vor knapp 100 Jahren an der Uni Queensland in Australien Teer in einen Trichter gefüllt und jetzt warten sie, ob da Teer durchtropft. Ja, er tropft, alle zehn Jahre ein Tropfen. Oder dieses Experiment: Wenn eine Kuh liegt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den nächsten 15 Minuten aufsteht? Antwort: Je länger sie liegt, desto höher.

Oberbürgermeister stellt Falschparker

Leider war es kein richtiger Science Slam. Es fehlte die Publikumswertung. Aber wahrscheinlich hätte Burger gewonnen, schon allein deswegen, weil das mit Teer und Kuh doch irgendwie neuer und vor allem unterhaltender wirkte. Danach aber wurde das getan, was man auf Festen auch gerne macht: etwas Small Talk zu angenehmer Musik der Swinging Fingers, die unaufgeregt und ohne Überlautstärke daherkam. Oberbürgermeister Markus Pannermayr erzählte zum Beispiel im Small Talk Selbsterlebtes aus der Straubinger Fußgängerzone, die nach Ansicht vieler die meistbefahrene Fußgängerzone der Welt ist: Wie der Pendelbus nicht um die Kurve kam, weil die ein Auto blockiert hat, an dem aber eine Handynummer war. Wie er die Nummer anrief und der Angerufene wissen wollte, woher er die Nummer hat und wer er überhaupt ist; wie er dann sagte: „Des seh’n S dann glei, in oaner Minute an Eanam Auto, i lauf Eana ned weg.“ Und wie der Falschparker dann erklärt hat, dass er „nur zwei Minuten“ falsch geparkt hat.

Man hatte den Eindruck, dass die Stadt langsam erkennt, dass der Kontrolldruck erhöht werden muss. Grünen-MdB Erhard Grundl ließ noch einmal die Ordnungsausschusssitzung vom Nachmittag Revue passieren und erklärte, dass er dort erklärt habe, dass Kontrollen notwendig sind. Und Unternehmer Erich Sennebogen berichtete von eigenen Hörerlebnissen mit überlauten Auto-Posern am Stadtplatz.

Weitere Themen waren die Energie-Formen der Zukunft, wie sich Wirtschaft und Wissenschaft besser vernetzen lassen und natürlich die EU-Kommissarin und Manfred Weber, der baldige Volksfest-Eröffnungsredner.

Studenten und der Redlbacher Biergarten

Und dann war da noch eine Bemerkung, die viele anwesende Straubinger, von Senior-Verleger Dr. Hermann Balle über Handwerkskammer-Mann Toni Hinterdobler bis zum OB, mit hohem Interesse vernahmen: „Wenn Straubing 2 000 Studenten hat“, hatte Bauträger Thomas Gerl unvorsichtigerweise launig vor sich hingesagt, „dann mach i den Redlbacher Biergarten wieder auf!“ Leider ist das erste Ziel aber erst einmal 1 000, und der derzeitige Stand ist noch unter 400. Aber wer weiß: Vielleicht kann die Wirtschaft ja schneller als die Wissenschaft sein, eine Art WiWi-Slam, sozusagen. Mit solch guten Gesprächen klang der Sommerabend wirklich schön aus.