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20141007-aktuelles-erstsemesterWissenschaftszentrum punktet bei Erstsemestern mit Fachrichtung und Standort

Mit Bier, Brezen und Leberkas begrüßt das Wissenschaftszentrum seine 68 neuen Studenten.

Überfüllte Hörsäle, überteuerte WG-Zimmer und Kontakt zu den eigenen Professoren nur über die Internetseite der Universität – so stellt sich die Situation in vielen klassischen Studentenstädten dar. Anders in Straubing. Hier hat das Wissenschaftszentrum (WZ) gestern 68 neue Bachelor- und Masterstudenten empfangen. Viele von ihnen schätzen die kurzen Wege, den Wohnungsmarkt und die Nähe zu den Dozenten.

„Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob die Größe ein Vorteil ist“, sagt Verena Draeger. Die 19-Jährige hatte an der Fachoberschule bereits den Agrarzweig belegt, vom Studiengang Nachwachsende Rohstoffe erfuhr sie auf einer Messe an der TU München. Nun ist sie aus der Nähe von Augsburg nach Straubing gezogen. Nur einen Tag lang hatte sie sich Wohnungen in der Stadt angesehen und prompt die Zusage für ihre Wunsch-WG direkt am Theresienplatz bekommen – fünf Minuten radeln und sie sitzt im Hörsaal. Kurze Wege und eine coole WG, das gefällt der Bachelor-Studentin schonmal ganz gut, „aber Bibliotheken wie beispielsweise in München gibt es hier natürlich nicht“.

In eine Großstadt ziehen, das kann man später immer noch: Dieser Meinung ist zumindest Master-Studentin Tamara Schmalz, die während des Semesters bei ihrer Großmutter in Konzell wohnt. Die 22-Jährige hält Nachwachsende Rohstoffe für „die beste Weiterführung“ ihres Bachelor-Studiums. In Deggendorf machte sie bereits einen Abschluss in Ressourcen- und Umweltmanagement. Am WZ legt sie ihren Fokus nun auf Ökonomie, „darauf freue ich mich, das habe ich bislang nämlich nicht so gehabt“.

Thomas Oberhofer hingegen interessiert sich für Chemie. „Diesen Schwerpunkt gibt es in Bayern sonst nirgends“, sagt der 24-Jährige, der sich für den Bachelorstudiengang entschieden hat, „weil mir was an der Umwelt liegt und ich meine Fähigkeiten hier sinnvoll einbringen kann“. Dazu zählt der gelernte Feinwerkmechaniker neben seinem Interesse für Chemie sein handwerkliches Geschick. Auch er ist für das Studium nach Straubing gezogen: aus der Nähe von Mainburg. „In letzter Minute“, sagt er, habe er ein WG-Zimmer gefunden, nur 500 Meter vom WZ entfernt. Er sieht die überschaubare Größe des Studienstandortes als Vorteil: „So können die Professoren bestimmt besser auf den Einzelnen eingehen.

Zur Begrüßung gab es am Montagmittag für alle Studenten Freibier, Brezen und Leberkas. „Das wäre bei 5 000 Studenten etwas schwierig, aber noch ist hier alles sehr familiär“, sagte Prof. Dr. Klaus Menrad, Geschäftsführender Direktor am WZ. 41 Bachelor- und 27 Masterstudenten haben sich zum Wintersemester an der Schulgasse eingeschrieben, in der Summe exakt genauso viele wie im vergangenen Herbst. „Es dürfen schon noch mehr werden, aber wir sind mit der Stabilisierung ganz zufrieden“, erklärte Menrad, der den Neuen das Kompetenzzentrum mit seinen drei Säulen Technologie- und Förderzentrum, CARMEN und natürlich WZ vorstellte: von der Vergabe der Fachhochschule 1991 an Deggendorf – „das war für die Straubinger ganz, ganz schlimm“ – über die Gründung des WZs 2001 bis zu den aktuellen Plänen und Zielen.

Menrad hinterfragt Tempo des Ausbaus

Bis 2019 sollen aus zehn Professuren 15 werden, die Mitarbeiterzahl von 110 auf 200 und die Studentenzahl von 140 auf 500 steigen. Dass diese Expansion Platz braucht, erläuterte Menrad ebenso und zeigte verschiedene Bau- und Sanierungsvorhaben auf einer Karte, so auch die Mensa, die im November an der Schulgasse eröffnet werden soll, und den geplanten Neubau am Donauufer. Bereits Ende 2011 beschloss die bayerische Staatsregierung, dort zu bauen. Inzwischen laufe ein Architektenwettbewerb. „Jetzt dürfen sie darüber nachdenken, ob das nun schnell oder langsam ist“, sagte Menrad und gab den Studenten eine Denkaufgabe für den Nachmittag auf den Weg. Abschließend empfahl er allen Erstsemestern noch den Besuch der sogenannten Abendvorlesung im Myers, organisiert von Masterstudenten höheren Jahrgangs. „Es ist eine Abendvorlesung“, erklärte WZ-Pressesprecher Andreas Rauh, „ein Get-together, bei dem bestimmt alle die Getränkekarte lesen werden“. -chg-

Quelle: Bild und Text Christian Hiergeist, Straubinger Tagblatt | Seite 25, Straubinger Rundschau | 07.10.2014