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Wird Universitätskirche: die Karmelitenkirche. Ein Pontifikalgottesdienst mit Bischof Rudolf Voderholzer soll dieses Status kommendes Jahr besiegeln. (Bild: Scharrer / SRT)

TUM-Präsident Prof. Wolfgang Herrmann sieht seinen großen Wunsch in Reichweite

 

Straubinger Tagblatt | 24.08.2019 | Monika Schneider-Stranninger

Ein Pontifikalgottesdienst mit Bischof Rudolf Voderholzer am 21. Mai 2020 (Christi Himmelfahrt) wird Auftakt für den Status der Karmelitenkirche als Universitätskirche. Das war ein großer Wunsch von Straubings Ehrenbürger, TUM-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Herrmann. Ihn zu realisieren, ist ihm jetzt, in seiner diesen Herbst nach 24 Jahren endenden Amtszeit gelungen.

Am 1. Oktober wird Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, der 2018 seinen 70. Geburtstag feierte, nach dreimaliger Wiederwahl als TUM-Präsident, den Stab weiterreichen an seinen Nachfolger Prof. Thomas Hofmann (50). Prof. Herrmann hat die TUM in seiner Ära tiefgreifend reformiert und auf internationales Spitzenniveau geführt. Er ist glühender Wegbereiter und Verfechter des TUM-Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit und der 2018 nach langen Verhandlungen umgesetzten Idee eines Kaufs des Karmelitenklosters samt Kirche durch den Freistaat Bayern. In das ebenso geschichtsträchtige wie repräsentative Klostergebäude wird der TUM Campus nach erfolgter Sanierung einziehen, Tür an Tür mit dem jetzigen Karmelitenkonvent der indischen Ordensprovinz St. Thomas, dem vertraglich ein Wohnrecht eingeräumt ist.

„Für mich gehen Kreuz und Computer, Kirche und Künstliche Intelligenz gut zusammen“, zitiert Prof. Herrmann gerne Ministerpräsident Markus Söder, der damit den Erwerb von Kloster und Kirche begründet hatte. Die Karmelitenkirche ist in Prof. Herrmanns Augen vom Klosterensemble „weder als historisches Dokument noch als Konstante im Wertekanon einer internationalen Exzellenzuniversität zu trennen“.

„Diese Kirche muss Kirche bleiben“, so seine Überzeugung, die er mit dem Förderverein für die Karmeliten in Straubing teilt, dessen Mitglied er längst geworden ist. „Denn“, so seine Begründung, „Internationalität ist nur wahr, wenn sie die Heimat mit der Welt verbindet“. Das christliche Menschenbild habe unsere Heimat über Jahrhunderte geprägt. Klostergemeinschaften hätten hierzulande die Naturwissenschaften auf den Weg gebracht, in den Sternwarten den Himmel erforscht, die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft vorangebracht, das Brauwesen professionalisiert, von gewaltigen bautechnischen Innovationen abgesehen. Die Karmelitenkirche sei ein „kultur- und bautechnisches Juwel“.

Perspektive für die Hochschulseelsorge

Der Blick der bayerischen Klöster sei stets nach oben und nach vorne gerichtet gewesen. „Daran sollten wir uns in der Komplexität der neuen Welt orientieren“, so Prof. Herrmanns Überzeugung. Und wer in der Heimatkultur verwurzelt sei, sich zu ihr bekenne, werde es mit der Toleranz gegenüber den Kulturen ferner Heimaten nicht schwer haben.

Die jetzt 651-jährige Konventtradition der Karmeliten in Straubing setzen die Patres aus Indien schon seit drei Jahren fort. „Gerade dieser internationale Aspekt passt zu uns“, versichert Prof. Herrmann. Die TUM wünsche sich die Beteiligung der „neuen Karmeliten, die zu uns gehören, an der Hochschulseelsorge auf dem Straubinger Campus.“

Nachhaltigkeitsmandat mit ethischem Rückbezug

Als einer der führenden Technischen Universitäten Europas sei der TUM daran gelegen, die geistige und geistliche Dimension der Klostergeschichte in die Zukunft zu tragen, freilich unter neuen akademischen Herausforderungen. „Dieser Spirit beflügelt uns, die Karmelitenkirche als Universitätskirche der TU München zu verstehen, wo sich unter dem Patronat des Heiligen Geistes das christliche Bekenntnis mit der Offenheit für die Welt und dem Respekt vor anderen Glaubenshaltungen verbindet. Dieser Geist weht bekanntlich, wo er will, jedenfalls braucht ihn die Wissenschaft, weil sie ansonsten keine ist.“ Das Nachhaltigkeitsmandat des TUM Campus Straubing im Sinne der Erhaltung der Schöpfung sei durch und durch harte, gestalterische Natur-, Technik- und Wirtschaftswissenschaft, bleibe aber ohne den ethischen Rückbezug unvollständig.

Für Christi Himmelfahrt 2020, am 21. Mai, hat Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer bereits zugesagt, in der Karmelitenkirche einen Pontifikalgottesdienst zu Ehren der Universitätskirche zu feiern. Dabei werden laut Prof. Herrmann Chor und Orchester der TU München unter Leitung von Prof. Felix Mayer mit Mozarts Krönungsmesse beitragen.

Prof. Wolfgang Herrmann freut sich schon heute „auf einen großen geistlichen Tag“ – „endlich kommt die TUM nach 150 Jahren ihres Bestehens zu ihrer Universitätskirche“.