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Wie können Politik und Unternehmen globale Märkte so gestalten, dass es Anreize gibt, nachhaltig zu wirtschaften? Antworten auf diese Frage gibt das Bachelorstudium Bioökonomie am TUM Campus Straubing. (Bild: Andreas Heddergott/TUM)

Bachelorstudium Bioökonomie in Straubing kombiniert Wirtschafts- und Naturwissenschaften

 

Straubinger Tagblatt | 15.06.2019 | Simon Haas

„Ich wollte in Deutschland studieren, etwas mit nachhaltiger Wirtschaft“, sagt Klaus Reinarz-Abrigo. Der 19-Jährige sitzt – 12 000 Kilometer von seiner Heimatstadt Santiago de Chile entfernt – vor dem Laborgebäude am TUM-Campus in Straubing und erklärt, warum es ihn ausgerechnet nach Niederbayern verschlagen hat: Der Studiengang Bioökonomie in Straubing passte genau in sein Anforderungsprofil. Und: „Die TUM kennt man auch in Chile.“

Seine Kommilitonin Irina Wilhelm pflichtet ihm bei: Der Status der Technischen Universität München (TUM) als Eliteuniversität sei auch für sie wichtig gewesen. Auch sie fand die Kombination aus Wirtschafts- und Naturwissenschaften im Studiengang Bioökonomie spannend. „In der Schule war ich vor allem in Mathe und Naturwissenschaften ganz gut“, erzählt sie.

Gutes Abschneiden in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist schon mal keine schlechte Voraussetzung: „In dem Studiengang steckt viel Technik drin“, erklärt Sebastian Goerg, Professor für Economics am TUM-Campus. Der Bachelorstudiengang soll auf die tief greifenden Veränderungen vorbereiten, die der globalen Wirtschaft durch die Entwicklung hin zu mehr nachhaltigen Technologien bevorstehen. „Einer breiten Bevölkerungsmehrheit wird erst langsam deutlich, dass nach der Digitalisierung gerade der nächste Megatrend anläuft“, sagt Prof. Goerg.

Volkswirtschaft, Chemie, Ingenieurwissenschaften

Die Straubinger Studenten sollen nach ihrem Abschluss in der Lage sein, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Das Studium in Bioökonomie schafft einerseits die notwendigen wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen: „Es geht darum, zu verstehen, wie Märkte funktionieren und wie Märkte reguliert werden“, erklärt Prof. Goerg. Die zentrale Frage dabei: Wie können Politik und Unternehmen globale Märkte so gestalten, dass es Anreize gibt, nachhaltig zu wirtschaften? Zum volkswirtschaftlichen Wissen kommt im Studiengang Bioökonomie andererseits vertieftes Know-how in Chemie und Ingenieurwissenschaften.

Für den Studiengang sei der Austausch zwischen Studenten und Dozenten der ökonomischen und technischen Fachrichtungen ausschlaggebend, erklärt der Wirtschaftsprofessor. Schließlich sollen die Studenten auch in ihrem künftigen Job genau an der Schnittstelle arbeiten können: etwa in Ministerien und Behörden, wo es um Regeln für die Wirtschaft geht, oder in Unternehmen, wo es um den Kontakt zu Ministerien und Behörden geht. „Überall dort, wo es um die industriepolitischen Themen der Zukunft geht, ist interdisziplinäres Fachwissen gefragt“, sagt Prof. Goerg.

Der Studiengang steht dabei stellvertretend für die interdisziplinäre Ausrichtung des ganzen Straubinger Campus. Das Curriculum wurde auch vollständig hier konzipiert, erläutert Prof. Goerg: „Das ist ein reines Straubinger Produkt.“

„Das Betreuungsverhältnis einer Privatuni“

Dass Studiengänge mit diesem Profil bisher an kaum einer Hochschule angeboten werden, ist ein wichtiger Standortfaktor für Straubing. Ein Vorteil des Straubinger Campus sei außerdem, dass wegen der eher kleinen Lehrveranstaltungen eine maßgeschneiderte wissenschaftliche Betreuung der Studenten möglich sei. „Das macht es attraktiv, hier zu studieren“, findet der Professor. „Zum Preis einer öffentlichen Universität bekommt man das Betreuungsverhältnis einer Privatuni.“ Das hat auch Reinarz-Abrigo festgestellt: „Man muss mitmachen, die Professoren merken, wenn du etwas nicht verstehst.“ Der Uni-Standort in einer mittelgroßen Stadt sei für sie ausschlaggebend gewesen, erzählt Wilhelm, „weil ich nicht so der Großstadtmensch bin“. Anders ihr Kommilitone: Aus der Sieben-Millionen-Stadt Santiago nach Straubing zu kommen, „das war schon eine Umstellung“, erzählt Reinarz-Abrigo. Dass die meisten Geschäfte am Wochenende geschlossen haben, findet er gewöhnungsbedürftig.

Der Vorteil an Straubing: „Man kennt sich, die Studenten wohnen alle nah beieinander“, sagt Wilhelm. „Die Hauptsache in Straubing ist, viele Freunde an der Uni zu haben“, ergänzt Reinarz-Abrigo.

Bewerbung

Interessierte können sich ab sofort und noch bis spätestens 15. Juli für einen Studienstart im Herbst bewerben. Die Bewerbung erfolgt online.