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Norbert Sterl (3.v.r.), Leitender Baudirektor des Staatlichen Bauamts Passau, informierte unter anderem Prof. Dr. Klaus Menrad (rechts), Leiter des Wissenschaftszentrums, Staatssekretär Bernd Sibler (2.v.r.) und OB Markus Pannermayr (4.v.r.) über den aktuellen Stand der Umbauarbeiten im Gebäude an der Petersgasse.

Besichtigung der Baustelle am ehemaligen Jugendzentrum an der Petersgasse

Errichtet wurde das Gebäude an der Petersgasse um 1700 als Stadt- krankenhaus – ab Ende Oktober können hier Studenten Vorlesungen besuchen und Professoren ihre Büroräume einrichten. Dafür wird das denkmalgeschützte Gebäude,  in dem vormals das Jugendzentrum untergebracht war, seit Oktober 2015 umgebaut. Norbert Sterl, Leitender Baudirektor des Staatlichen Bauamts Passau, gab am Donnerstagnachmittag eine Zwischenbilanz zu den Bauarbeiten bekannt: Die Fertigstellung soll wie geplant im Oktober  stattfinden.

„Ziel war ein Campus der kurzen Wege“, sagte Oberbürgermeister Markus Pannermayr. Die Lage des Gebäudes an der Petersgasse sei ideal gelegen – zum Wissenschaftszentrum an der Schulgasse und dem künftigen Neubau „Nachhaltige Chemie“ an der Donau. Man habe den Anspruch, einen Campus mitten im Herzen der Altstadt zu errichten. Insbesondere bedankte er sich bei Staatssekretär Bernd Sibler, der von der Staatsregierung beauftragt worden sei, das gesamte Projekt in Straubing zu leiten.

„Ein Großteil der Arbeit hier ist geleistet“, sagte Sibler über die Bauarbeiten am ehemaligen Jugendzentrum. Nachwachsende Rohstoffe seien ein „langfristig sehr spannendes Thema“ und zugleich ein Alleinstellungsmerkmal für Straubing. Sibler freut sich, dass zum Wintersemester zwei neue Bachelor-Studiengänge am Wissenschaftszentrum beginnen und der Campus dadurch sein Profil schärfe. Er würdigte den Einsatz des Präsidenten der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann. Noch bevor das Gebäude an der Petersgasse fertiggestellt sei, erfolge am 22. Mai der Spatenstich zum Neubau an der Donau: „Die Ent- wicklung hier ist sehr dynamisch, das passt zum Innovationsstandort Bayern“, sagte Sibler.

Der Leiter des Wissenschaftszentrums, Prof. Dr. Klaus Menrad, erklärte, dass in dem neuen Lehrstuhlgebäude an der Petersgasse ein Hörsaal für bis zu 90 Studenten entsteht. „Wir wollen 1000 Studenten haben, es würde uns also freuen, wenn es hier zu früh zu eng werden würde“, sagte er. Ebenso sollen neue Professuren geschaffen werden, bis zu drei finden in dem renovierten Gebäude Platz. Auch die Geschäftsstelle des Wissenschaftszentrums zieht an die Petersgasse.

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Durch den Umbau des Gebäudes an der Petersgasse werden 750 Quadratmeter Hauptnutzfläche für rund 40 Arbeitsplätze geschaffen. Zur Petersgasse hin soll noch eine Nottreppe gebaut werden. Foto: Sophie Schattenkirchner

Bei einem Rundgang informierte Norbert Sterl die Teilnehmer, dass derzeit am Innenputz und dem Trockenbau gearbeitet werde. Was man nun, wenn man durch die verputzten Räume geht, nicht sieht: Es fanden zuvor aufwendige Gründungsarbeiten statt. Dem Gebäude musste ein neues Fundament verschaffen werden. Dafür wurden auf tragfähigen Grund 78 Stahlbetonsegmente eingepresst und gegen das bestehende Fundament gedrückt. Verwendet wurden dafür Hydraulikzylinder und Lastverteilungsbalken, damit im Gebäude keine Risse entstanden. Eine weitere Herausforderung im Rohbau sei die aufsteigende Feuchtigkeit gewesen, die man durch Sperrschichten künftig verhindert.

Sterl erläuterte, dass der Dachstuhl instandgesetzt, das Dach neu eingedeckt und derzeit noch der Dachreiterturm mit Zwiebelhaube saniert werde. Da es sich um ein denkmalgeschütztes  Gebäude handelt, entschied man sich dafür, das Gebäude auf der Innenseite mit einer mineralischen Wärmedämmung zu bekleiden und dreifach verglaste Holz-Verbundfenster einzusetzen.

27 Erdwärme-Speichersonden, die bis in eine Tiefe von 28 Meter reichen, werden über eine Wärmepumpenanlage die Heizenergie für das Gebäude und Kälte für die Kühlung des Serverraums und des Seminarraums liefern. Gegenüber einer konventionellen Energieerzeugung könne man den Kohlendioxid-Ausstoß damit um rund 22 Tonnen pro Jahr reduzieren, sagte Sterl. Brandschutz und Barrierefreiheit waren weitere wichtige Kriterien beim Umbau.

Patina des bedeutenden Gebäudes erhalten

Veranschlagt waren die Gesamtbaukosten auf 4,5 Millionen Euro. Aktuell seien davon 3,5 Millionen Euro vertraglich festgelegt und verbaut, erklärte Sterl. Über die Hälfte der Aufträge übernahmen Firmen aus Stadt und Landkreis. Dem Staatlichen Bauamt Passau, das die Projektleitung übernommen hat, sei sehr wichtig gewesen, wo möglich, die Patina des bedeutenden Baus zu erhalten, wie man zum Beispiel an den Gewölben sieht.

Historisch herausragend sei auch das Karmelitenkloster, das künftig für Hochschulzwecke genutzt werden soll, sagte Pannermayr. So sehr er die Schließung des Klosters bedaure, würde dadurch die Universität in die Innenstadt hineingetragen und zwar entlang der Achse Donau.

„Wir sind dabei, weiterzudenken“, sagte Pannermayr. „Ich weiß“, antwortete Sterl lachend, „Straubing bringt immer Projekte“.

Quelle: Straubinger Tagblatt, 28.04.2017
Foto: Sophie Schattenkirchner