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20140813-aktelles-siblerWissenschaftsstaatssekretär Sibler bekennt sich in Sommerinterview zum Ausbau der Hochschulstadt Straubing

„Wenn die Konzepte passen, werden wir weiteren Entwicklungen nicht im Wege stehen“, sagt Bernd Sibler.

Bauen, bauen, bauen – das ist derzeit das Motto der bayerischen Hochschulpolitik. Staatssekretär Bernd Sibler (CSU) sorgt dafür, dass auch in seiner Heimat Niederbayern kräftig gebaut wird. Den weiteren Ausbau des Wissenschaftszentrums Straubing unterstützt Sibler im Interview mit unserer Zeitung ausdrücklich – und zeigt sich offen für die Idee, die Wartezeit bis zur Einweihung des Neubaus mit Containern zu überbrücken. Auch die Hochschule Landshut kann auf zusätzliches Geld aus München hoffen. Jene 160 Millionen Euro, die im Haushalt des Freistaats durch die Bafög-Reform frei werden, sollen außerdem zur Gänze im Bildungsbereich bleiben, verspricht Sibler.

Herr Staatssekretär, die Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat beklagen die schlechte Personalausstattung der deutschen Hochschulen. Haben die Hochschulen in Bayern genug Geld?

Sibler: Wir haben in den letzten Jahren mit dem doppelten Abiturjahrgang rund 50 000 neue Studienplätze geschaffen, etwa 3 800 neue Stellen und an praktisch allen Hochschulstandorten Baumaßnahmen durchgeführt. In Deggendorf werden im September Erweiterungsbauten für rund 43 Millionen Euro eröffnet und der Neubau eines Transferzentrums Technik und Innovation für rund sechs Millionen Euro wird im März 2016 fertiggestellt sein. In Straubing wird es einen Neubau geben, in Landshut ebenso. Das war aber auch dringend notwendig, weil die Zahl der Studierenden in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau bleiben wird. Durch die Bafög-Reform übernimmt der Bund Kosten in Höhe von 160 Millionen Euro – auch die werden in Bayern zur Gänze im Bildungsbereich bleiben.

Die Staatsregierung hat jetzt entschieden, die Technologietransferzentren der Hochschulen im ländlichen Raum dauerhaft mitzufinanzieren. Gibt es dann noch genug Geld, um weitere neue Standorte aufzubauen?

Sibler: Zunächst bin ich froh, dass wir das jetzt so auf den Weg gebracht haben. Auch strukturpolitisch ist das ein großer Erfolg. Bekanntlich gibt es bei den Technologietransferzentren einen klaren regionalen Schwerpunkt in Niederbayern. Von den bereits erwähnten 160 Millionen Euro aus der Bafög-Reform wird sicher wieder ein Teil in Regionalisierungsprojekte fließen. Aber dafür müssen fachlich überzeugende Konzepte vorliegen.

Eines dieser Konzepte hat die Technische Hochschule Deggendorf für Pfarrkirchen entwickelt. Das geht auch darauf zurück, dass der Ministerpräsident dem Rottal eine eigene Hochschule versprochen hat. Können Sie mit Sicherheit ausschließen, dass dadurch das Geld für andere Standorte in Niederbayern knapp wird?

Sibler: Der Standort Pfarrkirchen war immer schon als Dependance von Deggendorf gedacht. Das wird nicht auf Kosten anderer gehen, weil wir eigene Mittel für Regionalisierung vorsehen.

Braucht denn jede Kreisstadt eine Hochschule?

Sibler: Regionen, die weder Autobahnanschluss noch Hochschuleinrichtungen haben, trifft der demografische Wandel besonders hart. Darum gibt es ja so viele Kommunen, die gern solche Einrichtungen hätten. Wenn wissenschaftsgestützte Gründe, eine Anbindung an Kompetenzen vor Ort und der entsprechende Bedarf vorliegen, dann können ergänzende Hochschulangebote sinnvoll sein – wenn die „Mutterhochschule“ das Angebot unterstützt. Dies gilt auch für Pfarrkirchen mit dem zunächst vorgesehenen Schwerpunkt Gesundheit.

Das Wissenschaftszentrum Straubing wartet händeringend auf einen Neubau, um die neuen Professuren unterzubringen. 37 Millionen Euro hat die Staatsregierung dafür zugesagt – aber wann kann der Neubau endlich bezogen werden?

Sibler: In den letzten Jahren hatten wir in Straubing eine sehr dynamische Entwicklung. Das inhaltliche Konzept setzt sich also durch. Die Zusagen stehen, der Neubau kommt, der Architektenwettbewerb ist auf den Weg gebracht. Nur wird es jetzt realistischerweise vier, fünf Jahre dauern.

Was halten Sie von einer Übergangslösung mit Containern?

Sibler: Grundsätzlich ist Verständnis dafür da. Wir müssen über Größe und Finanzierung reden, aber dass wir eine gewisse Übergangslösung brauchen werden, liegt klar auf der Hand.

Steht das mittelfristige Ausbauziel 1 000 Studenten für Straubing?

Sibler: Mit dem Neubau haben wir jetzt einmal die 500 anvisiert. Was sich dann weiter entwickelt, hängt von den Konzepten für Studiengänge ab. Da sind zunächst die beteiligten Hochschulen gefordert. Wenn die Konzepte passen, werden wir weiteren Entwicklungen nicht im Wege stehen.

Auch die Hochschule Landshut hat Platzmangel – die Mensa musste sogar in ein Zelt ausweichen. Ein Erweiterungsbau für 6,5 Millionen Euro ist auf dem Weg, aber das allein wird nicht reichen. Ist darüber hinaus noch etwas geplant?

Sibler: Die Entwicklung in Landshut war in den letzten Jahren Gott sei Dank sehr positiv, wir haben einen hohen Studentenzuwachs. Neben dem Erweiterungsbau planen wir auch eine Anmietung für den Bereich der Weiterbildung. Zudem wollen wir im Doppelhaushalt 2015/16 die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Baumaßnahmen für die Mensa-Erweiterung bald beginnen können.

Interview und Archivfoto: Markus Peherstorfer

Quelle: Straubinger Tagblatt | Reportage und Hintergrund | 13.08.2014