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Machten eine kurze Zeitreise von der Gegenwart in die Zukunft des TUM-Campus Straubing, von der Schulgasse in die Donauuferstraße zur Baustelle (v.l.): Landrat Josef Laumer, Dr. Norbert Fröhlich, Geschäftsführer des TUM-Campus Straubing, Studiendekan Prof. Dr. Cordt Zollfrank, Rektor Prof. Dr. Volker Sieber, Staatssekretär Josef Zellmeier, Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle, MdL Hans Ritt, OB Markus Pannermayr, Prorektorin Prof. Dr. Anja Faße, Franz Prebeck, Vorsitzender des Hochschulstadt-Vereins, und ein begleitender Mitarbeiter aus dem Ministerium. (Bild: Ulli Scharrer/SRT)

Bay­erns Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Prof. Ma­ri­on Kiech­le be­sucht TUM Cam­pus Strau­bing

 

Straubinger Tagblatt | 13.09.2018

Es war ein kurzer Besuch mitten im Termindruck vor der Landtagswahl. Aber Josef Zellmeier, Staatssekretär im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, hat es geschafft, Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle zu ihrer ersten Stippvisite gestern spätnachmittags an den Campus Straubing der Technischen Universität München zu lotsen.

Die Ministerin hatte zwar bisher noch keinen Fuß auf Straubinger Campus-Boden gesetzt, fremd ist ihr die Einrichtung allerdings nicht. Aus ihrer Tätigkeit an der TU München, vor Antritt des Ministeramts heuer, kenne sie die Wissenschaftsstandort-Entwicklung in Straubing über Jahre, versicherte sie bei ihrer Ankunft, die gleich einmal für Verblüffung sorgte. Ganz anders als es Politikergepflogenheit ist, kam sie eine glatte Viertelstunde früher als erwartet an der Schulgasse an und überholte damit sogar OB und Landrat.

Ein Dreh- und Angelpunkt des Besuchs war das Karmelitenkloster, das künftig vom TUM-Campus Straubing genutzt wird. Dafür wird Geld aus dem Wissenschaftsministerium fließen. Ministerpräsident Markus Söder hatte bei der Volksfesteröffnung bekanntgegeben, dass der Freistaat mit den deutschen Karmeliten eine Einigung über den Kauf von Kloster und Kirche erzielt habe und die Patres Bleiberecht im Kloster erhalten.

Neues Studienfach Bioökonomie

Prof. Dr. Volker Sieber, Rektor des TUM-Campus Straubing, stellte der Ministerin das Spektrum an Studienfächern vor und verwies bereits jetzt auf Studenten aus ganz Deutschland, derzeit 300 an der Zahl. Diesen Herbst starte das neue Studienfach Bioökonomie, sprich Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt auf Nachwachsenden Rohstoffen, das die Ministerin besonders interessiert. Künftig werde der Studiengang auch in englischer Sprache angeboten, so der Rektor. Aktuell gibt es am TUM-Campus 17 Professoren, bis 2025 sollen es parallel zur steigenden Zahl Studierender 30 werden. Prof. Sieber blendete zurück: 2011 waren es nur sechs Professoren. Die Mitarbeiterzahl liege derzeit bei 120 und werde bis 2025 die 500 erreichen.

Kurios ist, dass der Campus künftig in zwei Klöstern daheim sein wird, im ehemaligen Franziskanerkloster an der Schulgasse schon jetzt und nach der Sanierung auch im Karmelitenkloster an der Albrechtsgasse. Das sei sehr passend, sagte Prof. Sieber, schließlich seien Klöster schon immer auch Hort der Wissenschaft gewesen. Die Ministerin pflichtete ihm da bei. Sie sei in eine Klosterschule gegangen, arbeite heute in einem Ministeriums-Gebäude, das ehemals Kloster war. Und das Straubinger Karmelitenkloster sei nicht die einzige Neuerwerbung des Freistaats in dieser Richtung.

Campusentwicklung aufgezeigt

Die Campusentwicklung zeigte Prof. Sieber auch am Neubau an der Donauuferstraße auf, der zurzeit sehr gut voranschreite und Mitte 2020 fertig sein werde; außerdem an der brandbedingt neuerlichen Sanierung des ehemaligen Jugendzentrums. Mit der Fertigstellung rechne man im Juli 2020. Erst diesen August seien 520 Quadratmeter Laborräume in einem Gebäude in Modulbauweise in Betrieb genommen worden. Und man setze auf Anmietungen in der Innenstadt, am Essigberg 3, um auf 1 700 Quadratmetern Professoren unterzubringen, die keine Labore benötigen.

Die Staatsregierung sei sehr stolz auf den Campus Straubing, sagte Prof. Marion Kiechle. „Wir lassen Straubing nicht hängen.“ Dem OB versicherte sie, er habe mit der Niederlassung der Exzellenz-Universität TU München in der Gäubodenstadt „einen großen Coup gelandet“. Mit Blick auf Josef Zellmeier flachste sie, er habe sie von Anfang ihrer Amtszeit an mit dem Karmelitenkloster genervt. Dessen Zukunft sei den Straubingern offensichtlich ein wichtiges Anliegen.

Karmelitenkirche in Kultusministeriumshand

Ihrer Einschätzung nach ist die Karmelitenkirche beim Kultusministerium in den besten Händen, denn so könne sie Kirche bleiben. Kultusminister Bernd Sibler habe schon immer gesagt, er wolle eine Kirche in Straubing, meinte Josef Zellmeier mit Augenzwinkern. Und der OB versicherte, eine gute Zukunft für das aufgelassene Kloster sei den Straubingern ebenso Herzensanliegen wie die Überzeugung, dass die Karmelitenkirche Kirche bleiben muss. Die Straubinger dokumentierten das regelmäßig mit ihrem Zuspruch. Bei einem Rundgang stieg die Ministerin, begleitet von Staatssekretär Josef Zellmeier, MdL Hans Ritt, OB Markus Pannermayr und Landrat Josef Laumer sowie Vertretern des TUM-Campus dem Campus-Gebäude an der Schulgasse aufs Dach. Von dort gibt es eine Blickachse zum Turm der Karmelitenkirche, was die vorteilhafte Nähe des Klosterkomplexes für den Campus wortwörtlich vor Augen führt. Von da ging es zum kürzlich eingeweihten Laborgebäude, zum ehemaligen Jugendzentrum und dann zur Großbaustelle an die Donauuferstraße. Alle Vertreter des TUM-Campus versicherten einhellig, der Raumbedarf der Universität, insbesondere an Hörsälen, gehe noch um Einiges über die jetzigen Planungen, auch hinsichtlich des Klosters, hinaus.

Knappe 40 Minuten nach Eintreffen stieg die Ministerin wieder ins Auto. Dem nächsten Termin entgegen. Die Zeit hat sie sich aber dann noch genommen, um mit Josef Zellmeier zur Albrechtsgasse zu fahren und sich die Karmelitenkirche von innen anzuschauen, die ihr neben dem Kloster so ans Herz gelegt wurde. Sie zückte beeindruckt ihren Fotoapparat, hat Josef Zellmeier berichtet.