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Bürger, Handel und Entsorger gefragt

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Drei Workshops am TUM Campus befassten sich mit Vermeidung, Entsorgung und Recycling von Plastikmüll. (Bild: Straubinger Tagblatt)

Workshops am TUM Campus befassten sich mit Plastikmüllvermeidung

 

Straubinger Tagblatt | 27.11.2018

Drei Workshops, die sich mit Vermeidung, Entsorgung und Recycling von Plastikmüll beschäftigten, haben am TUM Campus Straubing stattgefunden. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen diskutierten dabei mit Praxispartnern über verschiedene Strategien zur Plastik(müll)vermeidung. Beteiligt waren Vertreter der Lebensmittel- und Textilindustrie, des Handels und des Verbraucherschutzes ebenso wie Packmittelhersteller und Entsorger sowie Repräsentanten eines Kunststoffverbands.

Im Bereich Lebensmittel wurde vom Fraunhofer IVV-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung eine Verpackungsalternative aus biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen für die Beschichtung von Papier vorgestellt. Dieser PHBV genannte Kunststoff wird mit Hilfe von Mikroorganismen organisch produziert und baut sich auch in Wasser ab, wodurch es zu keiner Mikroplastikansammlung bei der unbeabsichtigten Freisetzung in die Umwelt kommt.

Verbrauchertest und Abbaubarkeit

Bei den Vertretern des Einzelhandels stieß dieses Material grundsätzlich auf Interesse. Zunächst soll die Akzeptanz bei Verbrauchern getestet werden. Die Projektpartner EDEKA Stadler & Honner, Hofpfisterei und Biokäse Maly werden dieses innovative Material in einer Probephase verwenden.

Vonseiten der Entsorger bestand zu diesem Material noch Klärungsbedarf hinsichtlich der Unterscheidbarkeit von nicht-bioabbaubaren Materialien sowie der Geschwindigkeit des Abbaus bei verschiedenen biologischen Verwertungsprozessen.

Im Bereich Bekleidung wurde vom Unternehmen Urbanmaker aus Münster ein innovatives Recyclingverfahren vorgestellt: Aus im Einzelhandel anfallenden Plastikabfällen können mittels eines 3D-Druckers individuelle und regionale Produkte oder Ersatzteile hergestellt werden. Dabei reicht die Palette von Rucksackschnallen bis hin zu Kunststoffformen. Der regionale Einzelhandel – auf dem Workshop vertreten durch das Modehaus Hafner, Intersport Erdl und das Modehaus Blach – könnte hierfür die entsprechenden Wertstoffe liefern.

Beim Thema Entsorgung und Recycling waren sich die Workshopteilnehmer einig, dass Mülltrennung und die damit verbundene Sortierung der Kunststoffe sowohl Bürger als auch den Handel und Entsorgungsunternehmen aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Kunststoffen und Verbundverpackungen vor Herausforderungen stellt. Eine Vereinfachung der Trennung beziehungsweise eine Reduktion der Anzahl der verwendeten Materialien bei Verpackungen sowie eine bessere Kennzeichnung würden die Mülltrennung und damit das Recycling erleichtern.

Plastik-App erleichtert Entscheidung

Alle Ergebnisse des Workshops finden Eingang in die weiteren Arbeiten des Forschungsprojektes. In der vom Projekt entwickelten „Plastik-App“ wird eine leicht verständliche, verbraucherfreundliche „Entsorgungs-Fibel“ integriert: Somit kann dieses Anwendungsprogramm Verbrauchern nicht nur beim Kauf eines Produktes, sondern auch bei dessen Entsorgung eine Entscheidungshilfe geben.

Info:

Im Oktober 2017 hat die Stadt Straubing zusammen mit verschiedenen Universitäten und Hochschulen, lokalen Partnern aus der Wirtschaft und diversen Institutionen ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes dreijähriges Forschungsprojekt zur Plastik(müll)vermeidung gestartet. Dabei werden Strategien zur Verpackungsvermeidung (entlang der Wertschöpfungskette und am Point of Sale) entwickelt, erprobt und auf ihre ökologische Sinnhaftigkeit getestet. Weitere Informationen unter www.plastikvermeidung.de [13].