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Prof. Cordt Zollfrank und seine künftigen Masterstudenten beschäftigen sich mit Biomasse in allen ihren Formen: zum Beispiel mit dem schnell wachsenden Chinaschilf (Miscanthus sinensis), einer beliebten Energiepflanze.

Prof. Cordt Zollfrank und seine künftigen Masterstudenten beschäftigen sich mit Biomasse in allen ihren Formen: zum Beispiel mit dem schnell wachsenden Chinaschilf (Miscanthus sinensis), einer beliebten Energiepflanze.

Neuer Masterstudiengang Biomassetechnologie am Wissenschaftszentrum Straubing, das ab Oktober der Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München (TUM) sein wird. Das Besondere an dem interdisziplinären Studiengang: Zwei renommierte Universitäten bieten ihn gemeinsam an, nämlich die TUM und die Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien.

Mindestens eines der vier Semester müssen die Studierenden an der jeweils anderen Universität verbringen. Auch die abschließende Masterarbeit wird gemeinsam von Professoren beider Unis betreut. Absolventen erhalten einen gemeinsamen Abschluss beider Universitäten, nämlich den Master of Science, sowie ein gemeinsames Zeugnis. Der Studiengang ist deutschsprachig, einzelne Module werden aber auf Englisch angeboten.

Inhaltlich erwartet die Masterstudenten ein vertiefter Einblick in die Produktion von Biomasse, ihre chemisch-stoffliche, werkstoffliche und energetische Verwertung, wirtschaftliche Fragen der Branche, ökologische und Nachhaltigkeitsaspekte. „Wir sind sehr dankbar, dass wir mit der Universität für Bodenkultur auf diesem Gebiet enger zusammenwachsen können“, sagt Prof. Cordt Zollfrank, Leiter des Lehrstuhls für Biogene Polymere der TUM in Straubing, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Masterstudiengang richtet sich in erster Line an Studierende mit Bachelorabschluss in den Natur-, Ingenieur- oder Lebenswissenschaften. Prof. Zollfrank kann sich aber genauso vorstellen, dass er für Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge interessant sein könnte: „Wir bilden ja genau die Menschen aus, die sich dann später in diesem interdisziplinären Spannungsfeld der Biomasse, der nachwachsenden Rohstoffe und der Nachhaltigkeit bewegen können.“

In den Unternehmen der Biomasse-Branchen seien eben nicht nur Spezialisten gefragt, „sondern auch Fach- und Führungskräfte, die den erweiterten Blickwinkel haben“.

Das Berufsfeld, das den Master-Absolventen offen steht, ist breit gefächert. Bedarf besteht bei Energieversorgern, der chemischen und verarbeitenden Industrie, im Anlagen- und Maschinenbau, in Planungs- und Ingenieurbüros, in der Biomasseproduktion, im Umweltschutz, bei Behörden und Kommunen sowie in den Bereichen Beratung, Ausbildung und Forschung.

Breite Themenpalette

Neben Pflichtfächern zu Themen wie stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe, Energiewandlung und Energiewirtschaft, Ökonomie nachwachsender Rohstoffe, Agrarökosysteme, Ökobilanzierung oder Naturschutz steht den Studierenden eine breite Palette an Wahlfächern zur Verfügung. „Wir wollen nicht ein zu sehr verschultes System haben. Die jungen Leute sollen sich auch entscheiden dürfen, je nach ihrer Neigung und ihrer fachlichen Orientierung“, sagt Prof. Zollfrank.

Zu den Wahlfächern gehören zum Beispiel Module aus den Bereichen Agrar- und Forstwissenschaften, chemisch-werkstoffliche Nutzung von Biomasse, energetische Nutzung von Biomasse, Umwelt und Ökologie oder Ökonomie. Wenn gewünscht, wird auch ein gemeinsamer Studienplan erarbeitet, damit es keine Dopplungen zwischen den Semestern in Straubing und in Wien gibt. „Ansonsten wollen wir den Studierenden so viel Freiheit wie möglich lassen, aus den hervorragend ausgewiesenen Studienangeboten sowohl der TUM als auch der Boku die Fächer herauszuarbeiten, wo sie das Meiste davon haben –auch im Sinne einer Schwerpunktbildung“, erklärt Prof. Zollfrank. Und er hat schon weitere Pläne: „Der gemeinsame Studiengang ist eigentlich nur ein Anfang. Es gibt derzeit auch schon Planungen, das auf europäischer Ebene auszubauen: dass wir zusätzlich andere führende Universitäten auf dem Gebiet der Biomasse ins Boot holen.“ Ziel ist ein gemeinsamer englischer Studiengang „Biomass technology“. Gespräche mit anderen europäischen Unis gebe es bereits. Es sei aber zu früh, Namen zu nennen.

Eine vordefinierte Zahl an Studienplätzen gibt es nicht. Stattdessen werden die erzielten Leistungen des Bachelorstudiums bewertet. „Dann wird in der Regel noch, je nachdem, wie der Wert ausfällt, ein Eignungsfeststellungsgespräch geführt“, erläutert Prof. Zollfrank. Dabei wird auch die Motivation berücksichtigt.

Quelle: Straubinger Tagblatt, 15.07.2017
Autor/Foto: Markus Peherstorfer