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20141018-aktuelles-mayerEnergie-Experte Prof. Mayer zum Zickzackkurs von Bundes- und Staatsregierung

Niederalteich. Nicht nur mancher Politiker, Unternehmer, Journalist oder Bürger findet deutliche Worte zur unklaren Haltung von Bundes- und bayerischer Staatsregierung in Sachen Energiepolitik, auch die Kritik aus der Wissenschaft wird massiv. Der Energie-Experte Prof. Dr. Wolfgang Mayer sagt es in unverblümter Klarheit, wie dieser Zickzackkurs bei der Energiewende zu bewerten ist: „Auf die Politik ist keinerlei Verlass.“

Mayer verglich beim Energieforum in der Landvolkshochschule Niederalteich am Freitagnachmittag die Vision der Energiewende seit deren Ankündigung durch Kanzlerin Merkel 2011 mit den gegenwärtigen Realitäten. Sein Fazit: Wenn es so weitergeht und keinerlei verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird es schwierig mit dem Traum von einer Zukunft, die ausschließlich auf regenerativen Energien und Stoffen aufbaut.

Es gehe ja nicht nur um den Strom aus der Steckdose, sondern um sämtliche Bereiche, für die Energie gebraucht wird, also auch Wärme und Mobilität. Und letztlich auch noch um die nachwachsenden Rohstoffe, die an die Stelle der fossilen Werkstoffe rücken müssen.

Summa summarum kommen, so Mayer, derzeit immer noch 80 Prozent des Bedarfs für den Gesamtkomplex aus Strom, Wärme und Mobilität aus fossilen Stoffen. Beim Strom liegt dieser Anteil mittlerweile zwar bei 26 Prozent, hingegen dümpelt er bei Wärme und Mobilität lediglich bei zwölf respektive sechs Prozent.

Die Energiewende aber, so wird aus Mayers Vortrag deutlich, lasse sich vorwiegend bis ausschließlich über die Erschließung der regenerativen Energien bewerkstelligen. Über die weiteren Optionen, wie Energieeinsparung oder Effizienzsteigerung lasse sich der Energieverbrauch bremsen, aber nicht die Wende vollziehen.

Stromspeicher: Kein Thema für die Staatsregierung

Ein nachvollziehbares Beispiel: Die Automobilindustrie hat es über technische Innovationen zwar geschafft, den Spritverbrauch seit 1990 bis heute um durchschnittlich 30 Prozent zu senken, gleichzeitig hat sich die Mobilitätsleistung um 50 Prozent erhöht.

Laut Prof. Mayer wird von der bayerischen Staatsregierung auch weder die Herausforderung der Stromspeicherung noch des Stromtransports verlässlich angegangen. Notfalls könne man den (Atom-) Strom ja in Tschechien oder Frankreich einkaufe – das sei die Haltung der Staatsregierung. Was aber habe das mit der Energiewende zu tun?

Bei volatilen Energien, wie Sonne oder Wind, braucht man Speichermöglichkeiten. Von allen in Frage kommenden Speicheroptionen seien die Pumpspeicher die derzeit einzige praktikable Lösung, alle anderen in Frage kommenden Möglichkeiten zu teuer und unwirksam. Gerade eben aber habe die bayerische Staatsregierung Pumpspeicher aus dem Programm genommen.

Dass es zu einer Zukunft, die auf erneuerbaren Energien und Rohstoffen aufbaue, schon aus ökonomischen Gründen keinerlei Alternativen gebe, verdeutlicht Mayer an diesen Zahlen: Zwar werde der Preis beim erneuerbaren Strom investitionsbedingt kurzfristig steigen, langfristig aber sinken und in einigen Jahrzehnten konkurrenzlos günstig sein, während die Preise für Energie aus fossilen Rohstoffen (Kohle, Erdgas, Erdöl, Atom) ungebremst weiter steigen werden. 2030, so diese Rechnung, werden sich die Kurven beider Bereiche kreuzen, also gleiches Preisniveau erreichen, danach gehe es für die regenerative Energie nach unten, für fossil erzeugte Energie steil nach oben.

„Wer die Wende will, muss Nachteile in Kauf nehmen“

„Letztlich“, so Prof. Mayer in seinem eher düsteren Ausblick, „wissen wir alle nicht, wo es hingeht, weil die Politik insgesamt keinerlei Verlässlichkeit bietet, weder für Bürger noch für Investoren.“ Die Staatsregierung lasse sich von kleinsten Protesten abschrecken. Dabei müsse klar sein: „Wenn wir die Wende wollen, müssen wir auch Nachteile in Kauf nehmen.“

Noch ein paar Fakten aus Prof. Wolfgang Mayers Zahlenkabinett: Erdöl reicht, den gegenwärtigen Verbrauchsstandard vorausgesetzt, noch 68 Jahre, Erdgas 142 Jahre, Uran 258 Jahre, Kohle circa 3 000 Jahre, Braunkohle etwa 4 500 Jahre. Noch viele Jahre also. Motto: Nach uns die Sintflut? - stu -

Info:

Prof. Dr. Wolfgang Mayer, Hochschule Kempten, hat den Lehrstuhl der TU München für Regenerative Energien, Energiewirtschaft und Rationelle Energiesysteme am Wissenschaftszentrum Straubing inne.

Quelle: Straubinger Tagblatt | Niederbayern | 18.10.2014