Students, TUMCS

: Studierende entwickeln Lösungen gegen urbane Hitze

Sommer in der Stadt – das bedeutet längst nicht mehr nur Sonne und Freizeit, sondern auch zunehmende Hitzeextreme. In urbanen Räumen können Temperaturen um bis zu 10 °C höher liegen als im Umland, mit gravierenden Folgen für Gesundheit und Lebensqualität. Genau hier setzt das studentische Projekt City Vital an, das am TUM Campus Straubing (TUMCS) entstanden ist und zeigt, wie Innovationsgeist und Nachhaltigkeitsdenken Hand in Hand gehen können.

Eine Visualisierung des Entwurfs: vier Holzbalken unterschiedlicher Höhe, die in einem Quadrat angeordnet sind und nach außen geneigt sind. Zwischen ihnen sind zwei trapezförmige Segel aufgehängt, die ein Dach bilden. Das obere ist mit Blumen und Pflanzen bedeckt.

Hinter City Vital steht ein engagiertes Team von Studierenden, das aktiv an Lösungen für die drängenden Herausforderungen des Klimawandels arbeitet. Ihr Ansatz: ein begrüntes Sonnensegel – das sogenannte „Sunsail“. Dieses verbindet technische Konstruktion mit natürlicher Kühlung und schafft so einen neuen Ansatz für klimaresiliente Städte.

Jens Foerste ist Student am TUM Campus Straubing und Teil des studentischen Teams Enactus Straubing e.V., einer gemeinnützigen Organisation, in der Studierende unternehmerische Projekte entwickeln. Der Student beschreibt die Idee so: „Wir arbeiten an einer innovativen Idee, um urbane Räume klimaresilienter und lebenswerter zu gestalten. Konkret möchten wir ein Sonnensegel konstruieren, welches mit elf verschiedenen Arten von Sedum-Pflanzen begrünt werden soll. Dies kühlt nicht nur städtische Regionen ab, sondern speichert auch CO₂ ein und trägt der Biodiversität bei.“

Doch was genau ist Sedum? Dabei handelt es sich um eine Gruppe besonders robuster, sukkulenter Pflanzen – auch als Fetthennen bekannt. Sie speichern Wasser in ihren Blättern, sind extrem widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit und benötigen nur wenig Pflege. Dadurch eignen sie sich ideal für den Einsatz auf Dächern oder – wie im Fall von City Vital – auf begrünten Konstruktionen im urbanen Raum.

Es entstehen kleine Oasen in der Stadt

Die Kombination aus Membrankonstruktion und Vegetationsschicht wirkt wie eine natürliche Klimaanlage: Die Temperatur unter dem Sonnensegel kann um bis zu 3 °C gesenkt werden, gleichzeitig wird CO₂ gebunden und die Luftqualität verbessert. Darüber hinaus entstehen neue grüne Aufenthaltsorte – kleine Oasen in der Stadt, die zum Verweilen, Austauschen und Erholen einladen.

Das Projekt beruft sich direkt auf mehrere Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, darunter SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden), SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) sowie SDG 15 (Leben an Land). Damit zeigt City Vital, wie lokale Innovation globale Nachhaltigkeitsziele unterstützen kann.

Auch wirtschaftlich setzt City Vital interessante Maßstäbe: Während die Pflanzung eines einzelnen Baumes in einer Großstadt wie München aufgrund komplexer unterirdischer Infrastruktur – etwa Leitungen, Tiefgaragen oder U-Bahn-Tunnel – schnell über 90.000 € kosten kann, bietet das Sunsail eine deutlich flexiblere Alternative. Mit geschätzten Produktionskosten von rund 7.000 Euro und einem Verkaufspreis von etwa 10.500 Euro ist die Lösung nicht nur skalierbar, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. So wird deutlich: Nachhaltige Stadtgestaltung kann sowohl ökologisch sinnvoll als auch finanziell realisierbar sein.

Das Projekt steht exemplarisch für den Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit und die Technische Universität München (TUM) insgesamt: Studierende entwickeln hier nicht nur theoretisches Wissen, sondern setzen es in konkrete, praxisnahe Lösungen um. „City Vital zeigt eindrucksvoll, wie studentisches Engagement, Unternehmergeist und wissenschaftliche Exzellenz zusammenkommen können – und wie daraus Lösungen entstehen, die unsere Städte lebenswerter machen“, sagt Student Jens Foerste.