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5. Nachhaltigkeitsgespräch am TUM Campus: So können Verbraucher Lebensmittelabfälle reduzieren.: Immer frische Produkte picken?

Eindringlicher hätte der Einstieg ins Thema Lebensmittelverschwendung nicht sein können: Die Banane reist einmal um die Welt, um im Turnbeutel eines Grundschülers zu verrotten, zitierte Prof. Dr. Alexander Hübner vom TUM-Campus Straubing aus „Der Postillon“, der aktuelle Themen satirisch zuspitzt. Aber die realen Zahlen sind nicht weniger erschreckend: „Weltweit wird ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen.“ Bei den Nachhaltigkeitsgesprächen des Hochschulstadtvereins am Montagabend im TUM Campus Straubing erfuhren die rund 160 Zuhörer, wie man am Kühlregal Verschwendung vermeiden kann und wie Werbeaktionen der Händler auf die Abfallmenge wirken.

Die drei Frauen und zwei Männer der Podiumsdiskussion

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.n.r.): Hannah Nicklas, Prof. Dr. Karolin Schmidt, Mario Deller, Simon Blank und Hildegard Rust.

Ein Mann in einer Tweedjacke, mit grauem Haar und Brille, der ein Mikrofon hält.

Prof. Dr. Alexander Hübner, Lehrstuhl für Supply and Value Chain Management

In Deutschland wurden im Jahr 2020 genau 6,26 Millionen Tonnen Lebensmittel aus Haushalten weggeworfen, sagte Prof. Dr. Volker Sieber vom TUM Campus. Damit liege Deutschland weltweit vor Frankreich auf Platz 13.

In der EU werden jährlich 344 Kilo Lebensmittel pro Einwohner weggeworfen; damit werde mehr verschwendet als in die EU importiert, sagte Hübner. Lebensmittelabfälle stellen sowohl ein soziales, als auch ein ökologisches und ein ökonomisches Problem dar. So seien acht bis zehn Prozent der globalen Treibhausgase auf Lebensmittelverschwendung zurückzuführen. „Das zeigt: Der Hebel ist sehr groß.“

„Abfälle verdoppeln sich durch Werbeaktionen“

Die EU habe im September dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet, das verpflichtende Reduktionsziele für Lebensmittelabfälle festlege, informierte Hübner über bestehende Regularien. Deutschland jedoch setze auf Freiwilligkeit. Die Händler stünden vor einem Dilemma: Die Verbraucher wünschten sich bis abends volle Regale. Dies führe jedoch aufgrund beschränkter Haltbarkeit von Lebensmitteln zu Abfällen. „Lebensmittelabfälle verdoppeln sich durch Werbeaktionen“, präsentierte Hübner ein Forschungsergebnis. Zur Frage, was Konsumenten beitragen können, stand das „Picken der Kunden“ nach frischeren Produkten – konkret nach Molkereiprodukten – im Fokus der aktuellen Forschung, so Hübner. In 30 Prozent der Fälle wühlten Kunden nach besonders lange haltbaren Waren, wodurch die Lebensmittelabfälle in den Filialen im Schnitt um 64 Prozent steigen. „Würden wir uns anders verhalten, hätten wir zwei Drittel weniger Lebensmittelabfälle“, meinte Hübner und riet, beim nächsten Einkauf zu überlegen, ob man nach hinten oder nach vorne greift. 

Bewusstsein für Abfallvermeidung stärken 

Bei der anschließenden Diskussion, die Prof. Dr. Sebastian Goerg vom TUM-Campus moderierte, stellten Vertreter verschiedener Zielgruppen ihre Positionen dar: die Lebensmittelindustrie (Simon Blank von Donautal Bogen), der Handel (Hannah Nicklas, verantwortlich für Food Waste, unter anderem bei Lidl und Kaufland), die Kantine (Mario Deller von der Hochschulgastronomie Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz), die Verbraucherforschung (Jun.-Prof. Dr. Karolin Schmidt, Umweltpsychologin Uni Magdeburg) und die Verbraucher (Hildegard Rust, Diplom-Ökotrophologin). Deutlich wurde, dass ein Bewusstsein für Abfallvermeidung existiert, aber noch viel zu tun ist.

„Wir verwerten die Geflügel mit Haut und Federn“, versicherte Blank. Am Tag würden etwa 200.000 bis 210.000 Geflügel geschlachtet. Dabei fielen dreieinhalb bis vier Prozent Abfall an. „Der Rest ist Lebens- oder Futtermittel.“ Insgesamt würden im Durchschnitt rund 8.000 Mittagessen täglich an den verschiedenen Hochschul-Standorten ausgegeben, teilte Deller mit. „Bei uns gibt es keine Tonne. Bei uns gibt es eine zeitnahe Produktion. Erst wenn das Lebensmittel an der Ausgabe verlangt wird, wird es endgegart.“

„Fundiertes Wissen im Einkauf ist nicht mehr vorhanden“, sagte Hildegard Rust mit Blick auf soziale Medien und Influencer. Ihr Tipp lautete, einen Speiseplan für die Woche aufzustellen und mit einer Einkaufsliste einkaufen zu gehen, um Spontankäufe zu verhindern. Es gebe bereits Apps, die dem Bürger Tipps geben, was er aus den vorhandenen Lebensmitteln im Kühlschrank zaubern könne, betonte Hannah Nicklas und schilderte ein Problem des Handels: „Jeden Tag werde eine Hackfleisch-Packung außerhalb der Kühlung von Kunden abgelegt.“ Weil die Kühlungskette unterbrochen sei, müsse man das Fleisch wegwerfen. Als Hauptproblem für Lebensmittelverschwendung nannte Karolin Schmidt das übermäßige Einkaufen. Wer weniger einkaufe, werfe weniger weg. Doch sei es für den Verbraucher oft schwierig, im entscheidenden Moment richtig zu handeln. Auch der Handel sei gefordert und solle nicht zu übermäßigem Konsum anregen.

Die nächsten Nachhaltigkeitsgespräche werden das Thema Energie behandeln, gab Toni Hinterdobler, Vorsitzender des Hochschulstadtvereins, bekannt.

Von Ursula Eisenmann, erschienen im Straubinger Tagblatt am 05.11.2025